Eine Rose für die Dichter

Viele regionale Dichter und Denker, die das kulturelle Gesicht einer Stadt oder Landschaft geprägt haben, geraten oft schnell in Vergessenheit und verdienen deshalb besondere Aufmerksamkeit. Immer am ersten Juni-Wochenende ehrt der deutsch-landweit tätige Verein Literaturlandschaften e. V. an Dichterorten mit der Aktion „Eine Rose für die Dichter“. Literaturfreunde sind dabei eingeladen, sich mit einer Rose in der Hand aufzumachen an ein Dichtergrab oder an einen anderen mit einer Schriftstellerin oder einem Schriftsteller verbundenen Ort, um mit dieser kleinen Geste an die Person und das Werk zu erinnern. 2016 nahm die Claudius-Gesellschaft e. V., die das literarische Erbe von Matthias Claudius, dem Wandsbeker Boten, pflegt, erstmals an der Aktion teil.

Am 120. Todestag - Samstag, 1. Juni 2019 - gedachte die Claudius-Gesellschaft dem niederdeutschen Lyriker und Schriftsteller Klaus Groth (1819-1899), der in 2019 zudem seinen 200. Geburtstag beging. Nach einer Begrüßung von Erle Bessert (Vorsitzende der Claudius-Gesellschaft e. V.) und einem Vortrag von Pastor Richard Hölck (Christuskirche Wandsbek) las Gerd Spiekermann plattdeutsche Gedichte von Klaus Groth. Der literarische Teil wurde umrahmt von Groth-Vertonungen von Johannes Brahms gesungen von David Csizmar (Bariton) am Klavier begleitet von Gerd Jordan. Im Anschluss daran wurden am Grab von Matthias Claudius auf dem Historischen Friedhof neben der Christuskirche Rosen niedergelegt.

Die Präsentation der Matthias-Claudius-Rose war am Samstag, 2. Juni 2018, in der Christuskirche Hamburg-Wandsbek (Robert-Schuman-Brücke 1, 22041 Hamburg). Pastor Richard Hölck hielt zunächst einen Vortrag mit einer Auswahl von Gedichten von Friedrich Hölderlin. Umrahmt wurde die Poesie von Klavierstücken von Wolfgang Amadeus Mozart und Frédéric Chopin, gespielt von Gerd Jordan. Nach der musikalischen Lesung wurde am Grab von Matthias Claudius auf dem Historischen Friedhof  Wandsbek ein Rosenstock der Rosenart „Matthias Claudius“ – eine Neuzüchtung von Rosen Tantau Uetersen – gepflanzt. Anschließend waren die ca. 80 Besucher eingeladen zu Kaffee und Kuchen. 

Eine Kooperationsveranstaltung der Wandsbeker Christuskirche und der Claudius-Gesellschaft e. V..

"Eine Rose für die Dichter 2017" fand in Hamburg auf dem Ohlsdorfer Friedhof statt.

Der Treffpunkt war auf der Friedhofsseite des Bestattungsforums (Fuhlsbüttler Str. 758, U-/S-Bahnstation Ohlsdorf) auf der großen Treppe gegenüber dem Mahnmal für die Opfer der NS-Verfolgung. Von dort sind wir zu Fuß zum Grab von Wolfgang Borchert [AC5 (6)] gegangen. Die Dauer der Veranstaltung betrug ca. 30 Minuten. 

Am Samstag, 3. Juni 2017 war eine kleine Gruppe Literaturinteressierter am Grab Wolfgang Borcherts zusammengekommen. Mit Wolfgang Borchert, er starb vor 70 Jahren, ehrten wir einen Dichter, dessen literarischer Pazifismus („Dann gibt es nur eins!“) durchaus auch auf Matthias Claudius zurückweist, der mit seinem oft zitierten „Kriegslied“ für eine vehemente Anklage von Kriegsgräueln und Kriegsleid steht. Doch auch weitere zumeist vergessene Hamburger Schriftsteller/innen, deren Gräber wir nicht alle besuchen konnten, an die wir aber hiermit und mit dem einen oder anderen vorgetragenen Text erinnerten, hatten 2017 Gedenktage: Elise Averdieck (110. Todestag), Johanna Auguste Sophie Beier (100. Todestag), Hinrich Borkenstein (240. Todestag), Barthold Heinrich Brockes (270. Todestag), Heinrich Wilhelm von Gerstenberg (280. Geburtstag), Johann Georg Greflinger (340. Todes-tag), Johann Rist (410. Geburtstag/350. Todestag), Hans Erich Nossack (40. Todestag), der ebenfalls auf dem Ohlsdorfer Friedhof [U22 (8-27)] begraben ist, und natürlich Heinrich Heine (220. Geburtstag) … Wenngleich weder in Hamburg geboren (1797 in Düsseldorf) noch gestorben (1856 in Paris), so hat Heine bis zu seiner Emigration in Hamburg – in der „schönen Wiege seiner Leiden“ – insgesamt ca. sechseinhalb Jahre verbracht. 

 

Erle Bessert M. A. -  Vorsitzende der Claudius-Gesellschaft e. V.

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